Hypnose in der Medizin

Prof. Dr. Dr. ERNIL HANSEN

In der Medizin wird Hypnose sehr erfolgreich z.B. bei chirurgischen Eingriffen, in der Geburtshilfe, in der Schmerztherapie, bei Magen-Darm-Beschwerden oder bei Asthma und vor allem auch in der zahnärztlichen Versorgung eingesetzt.
Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen belegen ihre Wirksamkeit und zeigen die erstaunlichen Möglichkeiten der therapeutischen Verwendung von Hypnose. Doch auch wenn grundsätzlich z.B. chirurgische Eingriffe ohne Narkose oder örtliche Betäubung durchführbar sind, geht es nicht darum, diese zu ersetzen.
Hypnose in Konkurrenz zu bewährten medizinischen Behandlungsverfahren spielt eher bei unseriösen Angeboten eine Rolle, insbesondere wenn dafür spektakulär Werbung gemacht wird. Ein solches Gegeneinander be- und verhindert die mögliche fruchtbare Zusammenarbeiten von Medizin und Hypnotherapie. Die Behandlung einer Tumorerkrankung, einer Infektion, einer Herzerkrankung nur allein mit Hypnose wäre ein Kunstfehler und gefährlich. Nicht die Anwendung „alternativ“, also „statt Medizin“ ist sinnvoll, sondern wenn Hypnose die medizinische Behandlung unterstützt und ergänzt, z.B. um einem Patienten mit einer Krebserkrankung das Gefühl des Alleingelassen- und Ausgeliefertsein zu lindern, die Nebenwirkungen einer Chemotherapie zu erleichtern, die Panik unter einem Bestrahlungsgerät zu nehmen. Eine hypnotherapeutische Begleitung ist auch sehr geeignet, um bei der Auseinandersetzung mit einer Erkrankung zu helfen, wozu Medikamente nur äußerst eingeschränkt geeignet und wirksam sind.

"In diesem Zusammenhang hat auch das Erlernen von Selbsthypnose eine große Bedeutung, da der Patient damit die Möglichkeit erhält, sich selbst zu helfen, mit seiner Erkrankung optimal umzugehen..."

In diesem Zusammenhang hat auch das Erlernen von Selbsthypnose eine große Bedeutung, da der Patient damit die Möglichkeit erhält, sich selbst zu helfen, mit seiner Erkrankung optimal umzugehen und seine Ängste, die seinen Zustand nur verschlimmern, „in den Griff“ zu bekommen.
Die heutige Auffassung der therapeutischen Hypnose ist, dass die wesentlichen Veränderungen in und durch den Patienten geschehen, wozu Anleitung und Begleitung nötig sind. Eine seriöse Hypnosetherapie lässt sich deshalb auch daran erkennen, inwieweit der Patient zur Heilung „ermächtigt“ wird und nicht von der „Macht und Kraft“ eines Hypnosetherapeuten abhängig gemacht wird.
Der Zustand der Hypnose (Trance) ist geeignet, Suggestionen besonders wirksam werden zu lassen. Suggestionen ermöglichen den Zugang zu inneren Bildern und Vorstellungen, die unmittelbare Auswirkungen auf körperliche Funktionen haben: Wir können alle unsere Durchblutung regulieren, wir können erröten oder blass werden; aber nicht durch Wille und Verstand, sondern über eine Suggestion, z.B. ein Bild oder eine Geschichte. Dadurch lassen sich Kreislauf, Verdauung, Hautveränderungen, Lungenfunktion, Immunabwehr, Wundheilung und vieles mehr wirkungsvoll beeinflussen. Unbewusste Regulationen können so zugänglich werden, Körperfunktionen verändert und für viele seelische und körperliche Störungen Lösungsmöglichkeiten gefunden werden. Gerade wenn bei chronischen Erkrankungen, etwa bei Tumorleiden oder chronischem Schmerz, keine Heilung mehr möglich ist, kann Hypnose - statt Wunder zu versprechen - helfen, mit der Krankheit zu leben und das Kranksein erträglicher zu machen.
Ärzte mit Hypnoseerfahrung haben die Fähigkeit erworben, auch außerhalb einer Hypnosetherapie mit Patienten in angst- und stressbesetzten medizinischen Situationen besonders unterstützend umzugehen und zu kommunizieren.

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Ernil Hansen (Universität Regensburg)
Facharzt für Anästhesiologie
Oberarzt der Anästhesie am Uniklinikum Regensburg
Ausbilder für medizinische Hypnose der Milton Erickson Gesellschaft (M.E.G.)
Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der M.E.G
Autor mehrerer Bücher
www.uniklinikum-regensburg.de/
www.meg-hypnose.de (Wiss. Beirat)

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